1166 km an einem Tag

Eine spannende Geschichte zu einem Segelflug über 1.166 km des ACN-Piloten Moritz Althaus. Althaus fliegt in der Saison 2018 das Förderflugzeug "Oscar Lima Charlie", einen Discus 2cT, von der Online-Plattform OLC und Wilfried Großkinsky gesponsort. 

Glücklicher Pilot: Moritz Althaus. Foto: Matthias Arnold.Was das Wetter am Donnerstag, den 26. April für mich und meinen Mitsteiter Matthias Arnold aus dem LSV Weinheim zu bieten hatte, hätten wir uns niemals erträumen lassen. Bereits Anfang der Woche wurde die Westlage in den Blick genommen. Hang, Welle oder Thermik? Oder am Ende alles drei? Der Donnerstag kristallisierte sich mit frühem Thermik Beginn und ohne störende hohe Bewölkung schnell als der beste Tag der Woche heraus. 

Der Plan war, mit einem Frühstart um sieben Uhr in der Welle genug Höhe zu machen, um die ersten hundert Kilometer mit Rückenwind abzugleiten. Es wäre ein heikles Spiel gewesen, zum richtigen Moment abzufliegen, um mit einsetzender Thermik unter die Wolken zu sinken. Aber so sollte es nicht kommen. Als wir um halb 8 in der vermeintlichen Welle ankommen, können wir zwar vermindertes Sinken feststellen, aber Steigen lässt sich nirgendwo finden. Also nochmal landen, Kaffee trinken und es zu Thermikbeginn wieder probieren?

Der Hang bietet eine letzte Option. Während Matthias es schafft, Anschluss zu finden und Richtung Heidelberg zu fliegen, geht es bei mir ums ‘Überleben’. Über eine Stunde verbringe ich in einem Höhenband von 500 - 550 Metern. Matthias meldet bessere Bedingungen weiter südlich. Er kann dort im Stau des Hanges und im Hangflug an den Wolken bis auf 2000 Meter kommen. 

Frühstart in Weinheim. Foto: Moritz Althaus.Das ermöglichte ihm, den Odenwald in großer Höhe zu queren. Als ich Anschluss finde, und auf 950 Meter steigen kann, warte ich noch über eine halbe Stunde, bevor ich abfliege. Bei dieser Basis darf im Odenwald wirklich gar nichts schief gehen, oder ich muss direkt den Motor rausholen. Unter 300 AGL will ich mit Wasser und viel Wind nun wirklich nicht zünden. Zweimal bin ich tief, zweimal kommt der Bart dann unten raus. Diese zwei Bärte reichen zum Glück, um den Odenwald - bei solch Wetter steht er meist etwas im Weg - mit Rückenwind hinter mir zu lassen. 

Nördlich oder südlich an Nürnberg vorbei? Chris Hiller versorgt uns minütlich mit neuen Wetterkarten, und wir entschieden uns für die nördliche Variante. Ohne Kreis geht es bis unter den Deckel von Nürnberg. Nun zeigt sich die noch starke Schauertendenz. Wir werden mehrmals nass und es ist spannend, mit 1372 Metern Deckel ins ansteigende Gelände zu fliegen. 

Bis Tschechien dann gute Reihungen, sodass hoch gewendet werden kann. Matthias hat hier im Lee des Grenzgebirges bei knapp 50 km/h Wind etwas Probleme. Nun der kritischste Part des Fluges. Wenn es uns nicht gelingt, ordentlich gegen den Wind voranzukommen, ist die Chance auf eine vierstellige Kilometer Zahl vertan. Auf so einem langen Gegenwindschenkel mal 2 Stunden mehr liegen zu lassen, ist überraschend einfach. 

Aufgrund der starken Schauerneigung müssen wir mehrmals die Wolkenstraße wechseln, was zu unangenehmen Tiefpunkten führt. Direkt luvseitig des ED-R Grafenwöhr kann ich aus 400 Metern einen sehr guten Bart finden. Ein hohes Risiko, hier hätte das Vorhaben auch scheitern können. Nach Westen meldet Julian Mihm in der ’30’ sehr gutes Wetter. Gegen den sehr starken Wind erfliegen wir zeitweise einen 110er Schnitt. Unter wunderschön ausgebildeten Wolkenstraßen geht es im Geradeausflug bis hinter den Pfälzer Wald. Wetter wie ich es selten erlebt habe. Nach einem weiteren zügigen Rückenwindschenkel bis zum Luftraum Nürnberg, stehen dann um kurz nach fünf 960 Kilometer auf der Uhr. Auch Matthias hat mit der Standardklasse zu diesem Zeitpunkt schon über 900 Kilometer geschafft.

So langsam wird uns klar, dass es tatsächlich klappen kann mit dem Ziel, dass uns beiden seit ein paar Tagen durch den Kopf spukt, ohne dass wir uns trauen, es genauer anzusprechen. Ein letztes Mal kämpfe ich mich bis Kilometer 70 auf Weinheim gegen den Wind vor. Als ich dann aber unten raus etwas Probleme habe, ist klar, dass ein letzter Schenkel mit Rückenwind folgen wird.

"München Radar" gibt sogar eine Freigabe zum Durchfliegen des Charlie-Luftraums Nürnberg, und so kann ohne Sorgen verlängert werden. Den letzten Bart spüre ich allerdings erst, nachdem der Motor schon gezündet hatte. Es ist klar, dass es gegen den Wind nicht mehr nach Hause reichen wird, da morgens schon etwas Sprit investiert wurde.

Johannes Dibbern macht sich noch während des Fluges in Richtung Walldürn auf den Weg zum Rückholen. Solch eine Bereitschaft ist wirklich besonders, und ermöglicht, solch einen Tag voll aus zu nutzen. Ohne Wilfried Großkinsky und den OLC, die einen wirklich genialen Flieger bereit stellen hätte dieser Flug nie stattgefunden!

Genauso wenig ohne Matthias Arnold, der aus Weinheim noch keinen fliegbaren Tag verpasst hat, und einem mit seiner Erfahrung und wertvollen Tipps zur Seite steht. 

Moritz Althaus

Wolkenstraßen am Morgen. Foto: Moritz Althaus. Matthias Arnold im Hangflug an den Wolken. Foto: Matthias Arnold
Endlose Wolkenstraßen am Nachmittag. Foto: Moritz Althaus. Nach der Landung in Walldürn. Foto: Moritz Althaus.