Neue Bundesligaregel

Der Aero-Club Nastätten fliegt am zurückliegenden Wochenende auf den 23. Rundenplatz der Segelflug-Bundesliga. Dies ergibt nur einen Rundenpunkt für das Gesamtkonto. Insgesamt fallen die Piloten aus dem ‘Blauen Ländchen’ damit auf den 17. von 30 Plätzen zurück, behaupten sich jedoch weiter als zweitstärkster Verein außerhalb von Bayern und Baden-Württemberg. 

Dicker Cirrus, wenig Cumulus und schwache Warmluftthermik erschwerten den Rückflug, Foto: Jens-Christian HenkeAlle drei Wertungs-Flüge kamen am Samstag zustande, der Sonntag sorgte mit aufziehenden Gewittern sowohl am Boden als auch in der Luft für schlechtes Wetter. 

Junior Moritz Althaus konnte mit einer Geschwindigkeit von 123 Kilometern pro Stunde einen schnellen Flug für den ACN abliefern. In über acht Stunden umrundete er den Luftraum des Flughafen Stuttgart und überquerte dabei Odenwald, Schwäbische Alb und Schwarzwald. 

Der Wiesbadener Jens-Christian Henke folgte auf seinem Flug erst den Aufwinden in Richtung des Taunuskamms. Der nahe Luftraum des Flughafen Frankfurt lässt dort jedoch nur eine maximale Flughöhe von etwa 1000 Metern über Grund zu, sodass Henke am großen Feldberg nach Norden in Richtung des Sauerland-Gebirges abbog. Im Jo-Jo flog er dann quer ab von Gießen und Marburg einen Schnitt von 95 Stundenkilometern. 

Sowohl Althaus als auch Henke betankten die Tragflächen ihrer Segelflugzeuge vor dem Start mit Wasser. Dabei werden bis zu 200 Liter auf die Tanks verteilt. Zwar steigen die Flugzeuge dann in den Aufwinden langsamer, zwischen den Wolken geht es aber im Geradeausflug deutlich schneller voran. Dies lässt sich mit einem schweren Fahrrad vergleichen, das einen Berg hinunter rollt. Vor der Landung wird das Wasser dann wieder abgeworfen, um das Fahrwerk nicht zu überlasten. 

Die ‘Delta’, ein modernes Hochleistungssegelflugzeug mit über 26 Metern Spannweite im Anflug, Foto: Michael SchmittEbenfalls in die Wertung fliegen konnte Alfred Perlich mit seiner ‘Echo Lima’. Er startete im Rahmen eines Wettbewerbes in Ludwigshafen. Auf Grund von schwierigem Wetter über dem Odenwald war er oft nur wenige hundert Meter über Grund hoch. In geringer Höhe geht es dann darum, eine drohende Außenlandung zu vermeiden. Erst wenn ein rettender Aufwind gefunden ist, kann mit ausreichender Höhe dann wieder der Bundesligaflug fortgesetzt werden.

Die Gesamtplatzierung hätte wohl deutlich besser ausfallen können, wäre der Aero-Club nicht zum ersten mal Opfer einer neu eingeführten Regel geworden. Schafft man es nicht bis auf 15 Kilometer an den Startflugplatz zurück, zählt der womöglich vorher schnelle Flug nicht für die Wertung. Dies passierte Junior Marcel Kaspari, an den letzten Wochenenden immer ein Garant für schnelle Flüge. Nach über 500 geflogenen Kilometern landete er mit seiner ‘Kilo’, einem über 40 Jahre alten Segelflugzeug, auf dem kleinen Flugplatz bei Dauborn an der A3. Aufziehende Cirrus-Bewölkung hatte die Sonneneinstrahlung und somit auch die Stärke der Aufwinde gebremst.

In der U-25 Bundesliga ergab sich so mit nur einem von drei möglichen Flügen nur der 38. Rundenplatz. Nach einem furiosen Start liegen die Junioren nun auf Gesamtplatz 11. 

Während viele Piloten des Aero-Club weiterhin auf Wettbewerben unterwegs sind, geht es am heimischen Flugplatz auch mit der Schulung neuer Piloten gut voran. Stolz ist der Aero-Club auch auf die hohe Anzahl an weiblichen Flugschülerinnen, die jedes Wochenende zeigen, dass Fliegen keineswegs eine ‘Männerdomäne’ ist. 

Moritz Althaus